Vor Kurzem berichteten Medien, dass die Universität Belgrad im Shanghai-Ranking der weltweiten Universitäten zurückgefallen sei. Die Universität Belgrad gehört nicht mehr zu den 500 besten Hochschulen der Welt, sondern befindet sich nun in der Gruppe der Plätze 501 bis 600. Tagelang kursierte diese Nachricht im öffentlichen Diskurs und gab Anlass zu zahlreichen Fragen und Sorgen. Eine Frage stach jedoch besonders hervor: Warum ist die Qualität der Hochschulbildung so drastisch gesunken?
Doch diese Frage enthält bereits eine unausgesprochene Annahme: dass ein Abstieg im Ranking automatisch einen Qualitätsverlust bedeutet. Bevor diese Annahme als Tatsache akzeptiert wird, lohnt es sich zu fragen, was das Shanghai-Ranking tatsächlich misst, auf welche Weise es dies tut und wie verlässlich seine Ergebnisse sind. Anders gesagt: Bevor wir zu erklären versuchen, warum die Qualität gesunken ist, müssen wir zunächst prüfen, ob uns das Ranking überhaupt eine zuverlässige Antwort auf diese Frage liefert. Daraus ergibt sich die zentrale Frage: In welchem Maße spiegelt das Academic Ranking of World Universities tatsächlich die Qualität der Hochschulbildung wider, und wie beeinflussen seine Methodik und seine heutige Anwendung das Verhalten von Universitäten und ganzen nationalen Bildungssystemen?
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir einen Schritt zurückgehen und betrachten, wie die Idee der Hochschulrankings überhaupt entstand und wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelte.
Vom Zählen „großer Männer“ zum globalen Wettlauf um Prestige
Die Idee, Universitäten zu rangieren, ist kein Produkt des digitalen Zeitalters. Ihre Wurzeln reichen bis an den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück, als in Europa und den Vereinigten Staaten bedeutende Persönlichkeiten, Wissenschaftler und „Genies“ gezählt wurden, die an bestimmten Einrichtungen studiert hatten. Die Logik war einfach: Der Erfolg eines Einzelnen wurde der Qualität der Institution zugeschrieben, die er besucht hatte.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts überwog dennoch weiterhin die Auffassung, dass qualitative Bewertungen, Akkreditierungen und Standards wesentlich wichtiger seien als numerische Vergleiche beziehungsweise Rangplätze. Als Anfang des 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten eine offizielle staatliche Klassifizierung von Colleges versucht wurde, folgten heftige Proteste von Einrichtungen, die sich ungerecht bewertet fühlten.
Der Wendepunkt kam in den 1950er- und 1960er-Jahren, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges und des Wettstreits um wissenschaftliche Vormachtstellung. Universitäten wurden zunehmend anders betrachtet. Ihre Leistung wurde nicht mehr isoliert bewertet, sondern mithilfe von Umfragen innerhalb nationaler Bildungssysteme eingeordnet. Mit anderen Worten führte die Einführung von Reputationsbefragungen zu jener Form des Rankings, die wir heute kennen und bei der der Aufstieg einer Institution zwangsläufig den Abstieg einer anderen bedeutet.
Der eigentliche kommerzielle Boom dieses Rankingsystems folgte in den 1980er-Jahren, als populäre Zeitschriften damit begannen, jährliche Hochschulrankings zu veröffentlichen. Das Ranking wanderte damit aus akademischen Kreisen in die Medien und wurde zu einem Produkt für Studierende und Eltern. Von diesem Zeitpunkt an waren Rankings nicht mehr nur Informationsquellen. Sie wurden auch zu einer Frage des öffentlichen Prestiges. Je deutlicher Studierende und Universitäten ihre Bedeutung für die öffentliche Aufmerksamkeit erkannten, desto mehr entwickelte sich das Ranking zu dem, was Hazelkorn als „Ranking-Obsession“ bezeichnet. Hochschulrankings wurden so zu einem wichtigen Motor des Wettlaufs um Reputation.
Globalisierung, Wissensökonomie und die zunehmende internationale Mobilität von Studierenden verstärkten diesen Wettbewerb zusätzlich und verlagerten ihn von der nationalen auf die globale Ebene, wobei zugleich immer stärkere geopolitische Auswirkungen entstanden. Genau zu diesem Zeitpunkt, im Jahr 2003, entstand an der Shanghai Jiao Tong University das Academic Ranking of World Universities, heute besser bekannt als Shanghai-Ranking. Obwohl es zunächst für interne Zwecke der Universität entwickelt worden war, wurde es bald zum ersten globalen Hochschulranking.
Das chinesische Experiment, das die Spielregeln veränderte
Das Shanghai-Ranking war ursprünglich ein internes Projekt des Institute of Higher Education der Shanghai Jiao Tong University. Ziel war es festzustellen, wo chinesische Universitäten im Vergleich zu den weltweiten Spitzenreitern standen, um staatliche Unterstützung zu sichern und einen Weg zur Schaffung von Hochschulen von Weltrang aufzuzeigen. Erst als die Ergebnisse kostenlos im Internet veröffentlicht wurden, zog die Liste weltweite Aufmerksamkeit auf sich und erhielt internationale Bedeutung. Bereits im folgenden Jahr beriefen sich europäische Minister auf das Shanghai-Ranking, um große Bildungsreformen, Hochschulfusionen und die Umverteilung von Mitteln zu rechtfertigen. Was als internes Instrument begonnen hatte, entwickelte sich rasch zu einer Beratungsstruktur, die Universitäten weltweit heute eine breite Palette kostenpflichtiger Analysen und Beratungsleistungen anbietet.
Doch was verbirgt sich tatsächlich hinter einem einzelnen Platz im Shanghai-Ranking? Um zu verstehen, warum Minister und Rektoren sich so stark darauf verlassen und weshalb Experten es zugleich so intensiv kritisieren, lohnt sich ein Blick darauf, wie Universitäten darin bewertet werden.
Die Auswahl der Universitäten für das Shanghai-Ranking basiert auf klar definierten wissenschaftlichen Parametern. Berücksichtigt werden nur Einrichtungen, die Nobelpreisträger, Fields-Medaillenträger, international besonders häufig zitierte Forschende sowie Publikationen in führenden wissenschaftlichen Zeitschriften und anerkannten Datenbanken vorweisen können. Obwohl methodisch mehr als 2.500 Universitäten bewertet werden, zeigt die offizielle Rangliste nur die besten 1.000.
Jede Universität wird anschließend in vier Bereichen bewertet:
-
Qualität der Ausbildung (10 %). Gezählt wird, wie viele ehemalige Studierende, die an der Universität einen Bachelor-, Master- oder Doktorabschluss erworben haben, später einen Nobelpreis oder eine Fields-Medaille erhielten. Je älter der Abschluss, desto weniger Gewicht hat er, doch selbst Abschlüsse aus den 1920er-Jahren werden weiterhin berücksichtigt.
-
Qualität des wissenschaftlichen Personals (40 %). Die Hälfte dieser Bewertung hängt davon ab, wie viele Beschäftigte der Universität einen Nobelpreis oder eine Fields-Medaille besitzen. Der Preis wird der Universität zugerechnet, an der der Preisträger zum Zeitpunkt der Verleihung beschäftigt ist, und nicht jener, an der die Forschung durchgeführt wurde. Die andere Hälfte richtet sich nach der Zahl der Forschenden auf internationalen Listen der meistzitierten Wissenschaftler.
-
Forschungsleistung (40 %). Die Hälfte dieser Bewertung hängt von der Zahl der Veröffentlichungen in Nature und Science in den vergangenen fünf Jahren ab. Die andere Hälfte richtet sich nach der Gesamtzahl der Arbeiten in internationalen wissenschaftlichen Datenbanken innerhalb eines Jahres, wobei Beiträge aus den Sozialwissenschaften doppelt gewertet werden.
-
Leistung pro Beschäftigtem (10 %). Die Ergebnisse aus den vorherigen Kategorien werden durch die Zahl der Lehrenden und Forschenden geteilt. Dadurch wird der Vorteil großer Universitäten teilweise abgeschwächt.
Am Ende werden alle Ergebnisse zusammengeführt. In jeder Kategorie erhält die beste Universität 100 Punkte, während alle anderen entsprechend ihrem Ergebnis im Verhältnis zum Spitzenreiter bewertet werden. Diese Punkte werden anschließend entsprechend den genannten Prozentanteilen gewichtet und zu einer einzigen Endpunktzahl addiert, anhand derer die Hochschulen gereiht werden.
Kritik des methodischen Scheins: Was misst das Shanghai-Ranking tatsächlich – und was nicht?
Auf den ersten Blick wirkt eine solche Methodik klar und überzeugend. Die Daten stammen aus unabhängigen Quellen, die Regeln sind im Voraus bekannt und das Ergebnis ist eine einzige Zahl, die jeder verstehen kann. Genau deshalb hat das Shanghai-Ranking zahlreiche Befürworter unter politischen Entscheidungsträgern und Hochschulleitungen. Bei genauerer Betrachtung der Bewertungsregeln zeigt sich jedoch, dass hinter jedem Argument zu seinen Gunsten auch eine ernsthafte Kritik steht.
1. Objektive Daten, unsichtbare Entscheidungen
Befürworter betonen meist die Objektivität des Rankings, da es sich im Gegensatz zu anderen Ranglisten nicht auf Umfragen oder von den Universitäten selbst gelieferte Daten stützt, sondern ausschließlich auf öffentlich zugängliche Quellen. Die Subjektivität verschwindet dadurch jedoch nicht, sondern verlagert sich in Entscheidungen, die für die Öffentlichkeit unsichtbar bleiben. Rohdaten sind nicht zugänglich, statistische Korrekturen werden nicht erklärt und die Autoren des Rankings entscheiden selbst, welcher Institution eine bestimmte Auszeichnung oder Veröffentlichung zugerechnet wird.
Wie entscheidend dies sein kann, zeigt der Fall von Albert Einsteins Nobelpreis. Einstein und mehrere andere Nobelpreisträger arbeiteten vor dem Zweiten Weltkrieg an der Universität Berlin. Nach der Teilung der Stadt beriefen sich zwei Universitäten auf dieses Erbe: die 1948 in West-Berlin gegründete Freie Universität und die im östlichen Teil der Stadt gelegene Humboldt-Universität. In der ersten Rangliste von 2003 wurden die Vorkriegspreise der Freien Universität zugerechnet, die dadurch auf Platz 95 kam. Nach einem Protest der Humboldt-Universität wurden dieselben Preise im folgenden Jahr ihr zugerechnet, wodurch Humboldt auf Platz 95 aufstieg und die Freie Universität um mehr als hundert Plätze zurückfiel. Nachdem auch die Freie Universität protestiert hatte, entfernten die Autoren beide Hochschulen kurzerhand aus der Rangliste; bis 2007 waren sie dort nicht wieder aufgetaucht.
Die Qualität keiner der beiden Universitäten hatte sich in diesem Zeitraum verändert. Geändert hatte sich lediglich die Entscheidung darüber, welcher Institution ein fast ein Jahrhundert zuvor verliehener Preis zugerechnet werden sollte.
2. Nobelpreise unterrichten nicht im Hörsaal
Nobelpreise, Fields-Medaillen und hohe Zitierhäufigkeit erscheinen Befürwortern als klare Indikatoren für hervorragendes Personal und ein stimulierendes akademisches Umfeld. Tatsächlich messen sie jedoch vor allem historischen Ruhm und nicht das, was Studierende heute erhalten. Selbst Abschlüsse aus den 1920er-Jahren bringen noch Punkte, und ein Preis wird der Universität zugerechnet, an der ein Preisträger zum Zeitpunkt der Verleihung arbeitet, obwohl die betreffende Forschung oft viel früher und an einem anderen Ort durchgeführt wurde.
Einstein führte die Forschung, für die er ausgezeichnet wurde, während seiner Tätigkeit im Schweizer Patentamt durch, erhielt den Preis jedoch als Professor in Berlin. Der Nobelpreis von Andrew Fire im Jahr 2006 half der Stanford University dabei, vom dritten auf den zweiten Platz aufzusteigen, obwohl die Forschung an einer anderen Einrichtung durchgeführt worden war.
Da nur Auszeichnungen in Physik, Chemie, Medizin, Wirtschaftswissenschaften und Mathematik zählen, bleiben Geisteswissenschaften, Kunst und der Großteil der Sozialwissenschaften vollständig unsichtbar.
3. Die Zahl der Veröffentlichungen misst nicht den Wert von Wissenschaft
Selbst diejenigen, die daran zweifeln, dass das Ranking Bildungsqualität misst, akzeptieren häufig, dass es wissenschaftliche Produktion zuverlässig erfasse. Doch auch dieses Bild ist unvollständig. Wissenschaftliche Datenbanken bevorzugen stark englischsprachige Veröffentlichungen und Naturwissenschaften. Bücher, die in den Sozialwissenschaften zentral sind, werden meist nicht berücksichtigt, ebenso wenig Konferenzbeiträge, die in Ingenieurwesen und Informatik eine entscheidende Rolle spielen.
Zudem zählt das Ranking, wie viele Arbeiten veröffentlicht wurden, nicht wie einflussreich sie sind, obwohl die Mehrheit wissenschaftlicher Arbeiten kaum jemals zitiert wird. Dieser Ansatz benachteiligt insbesondere Einrichtungen in den Sozial- und Geisteswissenschaften. Dennoch befand sich die London School of Economics and Political Science, eine der renommiertesten Institutionen der Welt in diesen Bereichen, 2006 lediglich in der Gruppe 201 bis 300. Im selben Jahr setzte das Ranking des Times Higher Education Supplement sie auf Platz 17.
Die Indikatoren schaffen zudem Möglichkeiten zur Manipulation. Ein Fünftel der Gesamtbewertung hängt von der Zahl besonders häufig zitierter Forschender ab, die eine bestimmte Universität als institutionelle Zugehörigkeit angeben. Einige saudische Universitäten begannen deshalb, renommierte ausländische Forschende über Teilzeitverträge zu beschäftigen, unter der Bedingung, dass diese auch die saudische Einrichtung als Affiliation angaben.
Von den 170 besonders häufig zitierten Forschenden, die 2014 saudischen Universitäten zugerechnet wurden, hatten 139 beziehungsweise 82 Prozent ihre Hauptbeschäftigung in einem anderen Land. Allein die King Abdulaziz University verfügte über 122 solcher Forschenden. 2004 hatte Saudi-Arabien keine einzige Universität unter den ersten 500, zehn Jahre später dagegen zwei unter den ersten 200 und zwei weitere unter den ersten 500.
Die Platzierung wurde damit durch das Hinzufügen von Namen zu institutionellen Zugehörigkeiten verbessert, nicht durch den Ausbau der eigenen Wissenschaft. Heute berücksichtigen die Autoren nur noch die primäre Einrichtung eines Forschers, was als Reaktion auf genau solche Praktiken verstanden werden kann.
4. Eine einfache Zahl, ein komplexer Fehler
Befürworter betrachten es als Vorteil, dass alle Ergebnisse in einer einzigen Zahl zusammengefasst werden, wobei die beste Universität 100 Punkte erhält. Methodiker warnen jedoch, dass gerade diese Einfachheit ernsthafte mathematische Schwächen verdeckt. Da die beste Universität in jeder Kategorie jedes Jahr erneut 100 Punkte erhält und die Gewichte unverändert bleiben, verändert bereits eine Leistungsänderung einer einzigen führenden Universität den Punktwert aller anderen.
An einem einfachen Beispiel wurde gezeigt, dass dadurch die Reihenfolge der darunter liegenden Universitäten vollständig umgekehrt werden kann und sogar eine Universität, die sich in sämtlichen Bereichen verbessert, vom zweiten auf den letzten Platz fallen könnte. Da die meisten Indikatoren auf absoluten Zahlen beruhen, bevorzugt das Ranking systematisch große Universitäten.
Unter Hochschulen ungefähr zwischen Platz 400 und 500 erhalten mehr als 90 Prozent überhaupt keine Punkte für Nobelpreise oder Fields-Medaillen. Für die meisten Universitäten im Ranking reduziert sich die komplexe Methodik in der Praxis daher auf das einfache Zählen von Publikationen.
5. Reformen, die den Rang verändern, nicht die Qualität
Das überzeugendste Argument für das Ranking besteht darin, dass es Staaten und Universitäten zu Veränderungen anregt. China wird am häufigsten als Beispiel genannt. Durch spezielle staatliche Programme zur Entwicklung führender Universitäten, die sogenannten Projekte 211 und 985, investierte China erhebliche Mittel in seine besten Einrichtungen. Die Zahl chinesischer Universitäten unter den ersten 500 des Shanghai-Rankings stieg von 14 im Jahr 2003 auf 24 im Jahr 2009. In diesem Fall fungierte das Ranking als klares Ziel, das Investitionen in Wissenschaft auslöste.
Das Problem besteht darin, dass sich eine bessere Platzierung auch ohne tatsächliche Verbesserung von Forschung und Lehre erreichen lässt. Eine Gruppe von Methodikern zeigte dies anhand eines Gedankenexperiments. Eine Universitätsleitung, die rasch im Ranking aufsteigen möchte, könnte Rechtswissenschaften, Geisteswissenschaften und den Großteil der Sozialwissenschaften schließen, weil diese nur wenige Punkte bringen. Die eingesparten Mittel könnten anschließend in Forschungsgruppen aus Medizin oder Naturwissenschaften umgeleitet werden, die Preise, stark zitierte Forschende und Publikationen in angesehenen Zeitschriften hervorbringen.
Das Ranking würde einen solchen Schritt belohnen, obwohl die Universität dadurch einen großen Teil ihres Bildungsauftrags verlieren würde.
Dieselben Autoren zeigten, dass sich ein ähnlicher Effekt durch die Fusion von Universitäten erzielen lässt. Da die meisten Indikatoren auf der Gesamtzahl von Preisen, Forschenden und Veröffentlichungen basieren, erhält eine größere Institution automatisch mehr Punkte. Die ehemalige Universität Paris wurde Anfang der 1970er-Jahre in dreizehn kleinere Universitäten aufgeteilt, von denen keine einzeln mit den größten Universitäten der Welt konkurrieren konnte.
Die Autoren berechneten, dass die Fusion von vier dieser Universitäten mit Schwerpunkt auf Naturwissenschaften und Medizin nach Daten aus dem Jahr 2007 eine Einrichtung ungefähr auf Harvard-Niveau ergeben hätte. Dies wäre ohne einen einzigen zusätzlichen Euro und ohne eine einzige neue wissenschaftliche Publikation möglich gewesen, ausschließlich durch die Addition bereits vorhandener Ergebnisse. Das Beispiel blieb nicht theoretisch. Frankreich fusionierte 2009 drei Universitäten in Straßburg und setzte ähnliche Zusammenschlüsse fort; Forschende weisen darauf hin, dass eines der Ziele gerade eine bessere Position im Shanghai-Ranking war.
Es gibt noch ein tiefer liegendes Problem. Da der Rang vom Vergleich mit anderen abhängt, bedeutet der Aufstieg einer Universität zwangsläufig den Abstieg einer anderen. Das Ranking kann daher nicht zeigen, dass ein gesamtes Bildungssystem besser geworden ist, sondern nur, wer wen überholt hat. Studien zeigen zudem, dass sich die Universitäten an der Spitze praktisch nie verändern, weil nur die reichsten Einrichtungen die Spitzenwissenschaftler bezahlen können, die Punkte bringen. Anstatt eine ausgewogene Entwicklung zu fördern, lenkt das Ranking Aufmerksamkeit und Geld zu Einrichtungen, die bereits reich und angesehen sind.
6. Ein Wegweiser, der Studierenden den Weg nicht zeigt
Für Studierende, die ein Studium im Ausland planen, kann das Ranking eine nützliche erste Orientierung sein. Eine einzige Zahl für eine gesamte Universität kann jedoch kaum alle Fragen beantworten, die für sie wichtig sind. Bei der Studienwahl benötigen Studierende vor allem Informationen zu konkreten Studiengängen, Lehrqualität, Kosten, Unterkunft und Beschäftigungsmöglichkeiten; diese Daten sind nicht Bestandteil des Shanghai-Rankings.
Ähnliches gilt für Arbeitgeber, denen bei der Einstellung wahrscheinlich Wissen und Fähigkeiten der Absolventen wichtiger sind als die Zahl der Nobelpreise, die eine Universität vor mehreren Jahrzehnten gewonnen hat. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass unterschiedliche Rankings häufig zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Von den ersten 100 Universitäten in drei führenden globalen Ranglisten erscheinen nur 35 in allen drei.
Schließlich machen die ersten 100 Universitäten weniger als ein Prozent der mehr als 15.000 Hochschulen weltweit aus. Für eine große Zahl von Studierenden bietet das Ranking daher nur begrenzte Einblicke in die Einrichtungen, die sie tatsächlich besuchen werden.
7. Ein Maßstab nach nur einem Modell
Befürworter stellen das Ranking als neutralen globalen Maßstab dar, mit dem sich Universitäten vergleichen und Veränderungen in der Verteilung wissenschaftlicher Macht verfolgen lassen. Doch ein Maßstab kann nicht neutral sein, wenn seine Kriterien es nicht sind.
Eine Analyse der Indikatoren zeigt, dass das Ranking implizit alte Universitäten bevorzugt, die ihren Namen im Laufe ihrer Geschichte nicht geändert haben, sich in stabilen englischsprachigen Ländern befinden, große Autonomie genießen und über umfangreiche Budgets verfügen. Diese Beschreibung passt nahezu perfekt zu den bekanntesten amerikanischen und britischen Universitäten, die sich entsprechend an der Spitze der Liste befinden.
Auch der Zusammenhang mit dem Wohlstand eines Landes ist auffällig. Kein Land mit einer Universität unter den ersten 50 hat ein Bruttoinlandsprodukt pro Kopf unter 36.000 US-Dollar nach Kaufkraftparität, während der weltweite Durchschnitt bei etwa 14.350 US-Dollar liegt. Systeme, in denen ein großer Teil der Forschung in eigenständigen Forschungsinstituten stattfindet, wie in Frankreich, sind im Nachteil, weil die Arbeit dieser Institute nicht zum Shanghai-Ranking beiträgt.
Warum besitzt ein umstrittenes Ranking weiterhin so viel Macht?
Obwohl das Shanghai-Ranking in der Fachliteratur methodisch ernsthaft kritisiert wurde, beeinflusst es politische Entscheidungsträger und Hochschulleitungen weiterhin stark. Forschende erklären, dass Zahlen und Ranglisten den Eindruck neutraler, „harter“ Wahrheit erzeugen.
Die ständige Messung bringt Institutionen dazu, fremde Kriterien zu ihren eigenen zu machen und ihr Verhalten freiwillig daran anzupassen. Umfragen zeigen, dass die große Mehrheit der Universitäten über offizielle Mechanismen verfügt, um ihre Position zu beobachten. Die meisten Hochschulleitungen glauben zudem, dass der Rang direkt die Bereitschaft ausländischer Partner zur Zusammenarbeit beeinflusst.
In einem solchen Umfeld kann für eine einzelne Universität bereits die bloße Präsenz in der Rangliste wichtiger werden als grundlegende methodische Fragen.
Kann man Hochschulbildung außerhalb eines einzigen Rankings betrachten?
Die Auswertung der wissenschaftlichen Literatur zeigt, dass das Shanghai-Ranking kein glaubwürdiges Bild der Gesamtqualität der Hochschulbildung vermittelt. Seine tatsächliche Aussagekraft ist begrenzter: Es zeigt vor allem angesammeltes Forschungsprestige und institutionelle Größe in bestimmten naturwissenschaftlichen Bereichen.
Die zugrunde liegenden Daten stammen aus öffentlichen Quellen, doch Entscheidungen darüber, wie sie interpretiert und welchen Institutionen sie zugerechnet werden, bleiben außerhalb des öffentlichen Blicks. Preise und Zitierhäufigkeit sagen mehr über vergangene Leistungen von Forschenden als über die Qualität heutiger Lehre, während das Zählen von Publikationen Sozial- und Geisteswissenschaften benachteiligt. Eine einzige Gesamtzahl wirkt einfach, reagiert jedoch empfindlich auf methodische Entscheidungen und bevorzugt große Institutionen.
Das Ranking hat viele Länder zu Investitionen in Wissenschaft angeregt, gleichzeitig aber auch Maßnahmen belohnt, die eine bessere Platzierung ermöglichen, ohne tatsächlichen Fortschritt zu erzeugen. Studierenden bietet es nur begrenzte Einblicke in das, was für ihre Studienwahl wirklich wichtig ist. Als globaler Maßstab spiegelt es vorhandene Unterschiede im Wohlstand und in der Tradition von Universitäten eher wider, als dass es sie objektiv misst.
Die Ergebnisse des Shanghai-Rankings sollten daher vorsichtig interpretiert werden, als Hinweis auf die wissenschaftliche Sichtbarkeit einzelner Fachgebiete und nicht als Bewertung der Gesamtqualität einer Institution. Jährliche Veränderungen im Ranking spiegeln häufig keine tatsächlichen Veränderungen in Lehre und Forschung wider; Entscheidungen sollten daher nicht auf einzelnen Rangplätzen basieren.
Sinnvoller ist es, Instrumente zu nutzen, die mehrere getrennte Indikatoren darstellen und es den Nutzern ermöglichen, selbst auszuwählen, was ihnen wichtig ist. Darüber hinaus bringt die Investition in die Entwicklung des gesamten Hochschulsystems langfristig mehr als der Versuch, eine oder zwei Einrichtungen um jeden Preis in der Rangliste nach oben zu bringen.
Auch die Nachricht vom Beginn dieses Textes sollte in diesem Licht betrachtet werden. Dass die Universität Belgrad in die Gruppe 501 bis 600 gefallen ist, beweist für sich genommen nicht, dass die Qualität der Hochschulbildung drastisch gesunken ist. Es zeigt zunächst lediglich, wie die Universität derzeit nach einem bestimmten Satz von Forschungsindikatoren abschneidet.
Die eigentliche Frage nach Qualität verlangt eine breitere und sorgfältigere Antwort als einen einzigen Platz in einer Rangliste.

Kommentare