Warten
Zeit ist nicht neutral. Für die Institution ist sie eine Frist. Für einen Menschen ist sie ein Teil des Lebens, der nicht zurückkehrt.
Man hat Sie nicht abgelehnt. Man hat Sie nur warten lassen.
Willkommen. Ihr Anliegen ist wichtig. Bitte warten.
Aktuell aufgerufen: 12. Vergangene Zeit: 0 Tage.
Ein Wartezimmer mit Stuhlreihen, einem Schalter hinter Milchglas, einer Wanduhr und einer Nummernanzeige. Die Wanduhr steht für verstrichene Lebenszeit. Die Aufrufnummer bewegt sich deutlich langsamer als die Uhr.
Man hat Sie nicht abgelehnt. Man hat Sie nur warten lassen.
Institutionelle Erschöpfung sieht nicht immer wie eine offene Ablehnung aus. Oft besteht sie aus Wiederholungen, Ergänzungen, Fristen, Weiterleitungen und Warten, das Zeit, Geld, Gesundheit und Kraft verbraucht. Formal existiert der Vorgang weiter. Im wirklichen Leben kann die Möglichkeit des Schutzes lange vor dem Verfahrensende verschwinden.
Zeit ist nicht neutral. Für die Institution ist sie eine Frist. Für einen Menschen ist sie ein Teil des Lebens, der nicht zurückkehrt.
Ein Mensch erklärt immer wieder dasselbe, bringt dieselben Papiere und beweist, dass das Problem noch besteht.
Ein Vorgang kann wie ein Einzelfall wirken. Erhalten Dutzende dieselbe Antwort, wird das Wartezimmer zum Beweis des Systems.
Diese Simulation ist ein fiktionales interaktives Format, das auf Mustern institutionellen Wartens beruht. Sie stellt weder einen konkreten Rechtsfall noch Rechtsberatung dar.